EINE KLEINE GESCHICHTE AUS DEM FUCHSBAUDer gefährlichste Schatz der Nacht
Der Fuchs hatte den Mond gestohlen.
Jedenfalls war er ziemlich sicher. Das silberne Ding lag in seinem Bau, leuchtete durch das Tuch, und draußen war der Himmel dunkel. Viel eindeutiger konnte ein Beweis kaum sein.
Er hatte es am Fuß der alten Eiche gefunden. Rund, warm und mit einem winzigen Krater in der Mitte. Jetzt saß er davor und überlegte, ob man einen Mond gießen musste.
Es klopfte.
Der Fuchs warf sich über das Tuch. „Niemand zu Hause.“
„Das merkt man“, sagte eine dünne Stimme. „Dein Schwanz liegt draußen.“
Vor dem Eingang stand ein sehr kleiner Igel. Er trug eine viel zu große Schlafmütze und hielt einen leeren Teller fest.
„Ich suche mein Nachtlicht.“
„Hier sind keine Nachtlichter“, sagte der Fuchs. Unter seinem Bauch wurde es unangenehm warm.
Der Igel schnupperte. „Meins riecht nach Honig.“
Langsam hob der Fuchs das Tuch. Der vermeintliche Mond hatte inzwischen eine klebrige Ecke bekommen.
„Das“, sagte der Igel, „ist mein Pfannkuchen. Mit einer Glühwürmchen-Laterne darunter. Ich kann im Dunkeln nicht schlafen.“
Lange sagte niemand etwas.
Dann schob der Fuchs den Teller unter den Pfannkuchen. Er räusperte sich mit der Würde eines Tieres, das eben noch ein Himmelsgestirn bewacht hatte.
„Sehr gefährlich, so etwas allein herumliegen zu lassen.“
„Darum suche ich ja jemanden, der mitisst.“
Sie teilten den Pfannkuchen in zwei sehr ungleiche Stücke. Der Igel bekam das größere. Draußen zog eine Wolke weiter, und der richtige Mond kam zum Vorschein.
Der Fuchs betrachtete ihn misstrauisch.
„Den lassen wir hängen“, entschied er. „Wir haben keine Butter mehr.“
Für alle, die auch die kleinen Dinge finden.
— UnrealFOX